Lesenotizen: Silke Helfrich (Hrsg.) – Commons

Ich beschäftige mich schon seit einigen Jahren relativ intensiv mit dem Gemeingütern/Commons/Allmende Komplex. Im Studium sowohl der Geographie als auch der Ethnologie gehörten die Überlegungen vom Elinor Ostrom, Thomas Robert Malthus und Garrett Hardins Tragedy of the Commons sowie historische Allmendebeispiele seit dem ersten Semester zum festen Inventar der Diskussion in vielen Lehrveranstaltungen.

Andreas Weber – Die Biologie der Allmende

Gestern abend den Beitrag von Andreas Weber im Commons-Buch gelesen, das gedruckt im Transcript-Verlag erschienen ist, derzeit jedoch als PDF frei zugänglich bei der Heinrich-Böll-Stiftung ist. Er erklärt Allmende und Commons als die Natur ökologischer Systeme und daher auch die beste Form sozialer und wirtschaftlicher Organisation wenn man die menschliche Gesellschaft in ökologischer und (nachhaltiger) Weise transformieren will. Der kapitalistische, nutzen-maximierende homo oeconomicus ist dafür jedenfalls ganz offensichtlich nicht geeignet.

Hier ein paar Zitate:

Das »egoistische Gen« ist kaum etwas anderes als ein auf die Biochemie zurück gespiegelter Homo oeconomicus (vgl. Dawkins 1978).
Man könnte die Allianz zwischen Biologie und Wirtschaft eine »ökonomische Naturideologie« nennen.

Der biologische Kosmos – und darin auch das Bild des Menschen – wandelt sich von einem Schlachtfeld feindlicher Optimierungsmaschinen zu einem Reigen von Subjekten, denen ihr eigenes Existieren etwas bedeutet und die ihre Existenzen in einem bedingten Wettbewerb und unter »schwacher Kausalität« miteinander aushandeln.

Die Natur als Ganze ist das Paradigma eines Haushaltes der Gemeingüter.
Nichts ist in ihr Monopol, alles ist Open Source. Nicht das egoistische Gen ist die Quintessenz des Organischen, sondern der offenliegende Quelltext jeder genetischen Information.

Witzig war, als ich zum Lesen zu müde wurde und stattdessen nochmal ein bisschen bei Youtube reinschaute, stieß ich auf Silke Helfrichs Vortrag auf der gerade gewesenen re:publica 12. Und welches Zitat stand auf der ersten Folie ihrer Präsentation? Richtig, genau dieses: „[…] Alles ist Open Source.“

Die DNA konnte sich in so viele Spezies verästeln, weil alle ihren Code nutzen dürfen, weil jeder das für ihn Sinnvollste daraus basteln kann. So besteht das menschliche Erbgut zu etwa einem Fünftel aus den Genen von Viren.

Die Natur in ihrem genuinen Allmendecharakter zu verstehen ist ein Weg, uns selbst neu zu verstehen, und zwar sowohl in unserer biologischen wie in unserer sozialen Lebendigkeit.

Der Allmendegedanke ist somit das vereinende Band für eine Weltsicht, die nicht länger vom Gegensatz Natur – Gesellschaft/Kultur ausgeht, sondern von den vielfältigsten Gemischen zwischen Kulturen und Naturen.

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